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Risikobild 2026

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Risikobild 2026 - Ende der ordnung?

Am Montag, den 26. Jänner 2026, präsentiert das Bundesministerium für Landesverteidigung (BMLV) das "Risikobild 2026 - Ende der Ordnung?" im Raiffeisen-Forum in Wien. Die diesjährige Analyse zeichnet eine sicherheitspolitische Prognose, die von tiefgreifenden Umbrüchen und der Zunahme systemischer Ungewissheit geprägt ist.

"Die Erhöhung der umfassenden Verteidigungsbereitschaft in Österreich ist kein Selbstzweck, sondern eine bewusste Reaktion auf die gewachsenen Bedrohungslagen."

Der Weg zum Risikobild

Vom Bundesministerium für Landesverteidigung wird jährlich das Risikobild erstellt. Diese verteidigungspolitische Vorschau hat das Ziel, alle sicherheitspolitisch relevanten Risiken für Österreich zu identifizieren und deren Relevanz zu bewerten. Als Risiko wird dabei die Möglichkeit des Eintritts künftiger Ereignisse verstanden, die nachteilige Auswirkungen auf die österreichische Sicherheit haben. Risiken werden hierbei als Kombination aus Eintrittswahrscheinlichkeit eines unerwünschten Ereignisses und Schadensschwere angesehen und in einem fließenden Übergang zur Bedrohung gesehen. Bedrohungen sind demnach „Risiken“, bei welchen sowohl das Potenzial als auch die Absicht eines Akteurs erkennbar ist, österreichischen Interessen zu schaden. Die Betrachtung dieses Risikobildes erfolgt einerseits in einer langfristigen Perspektive, die sodann die Basis für die Strukturierung und Ausgestaltung der österreichischen Streitkräfte bildet (Streitkräfteprofil). Für die kurzfristige Risikoeinschätzung wird das jährliche Risikobild Österreichs erstellt, damit wichtige politische Handlungserfordernisse identifiziert werden können.

Der Nutzen der verteidigungspolitischen vorausschau und des Risikobildes

Die verteidigungspolitische Vorausschau und das Risikobild Österreichs dient der frühzeitigen Erkennung und Analyse zukünftiger Bedrohungen für die nationale Sicherheit, um die Umfassende Landesverteidigung (ULV) zu stärken. Es wird vom Bundesministerium für Landesverteidigung erstellt und fungiert als strategisches Frühwarnsystem gegen diverse Risiken. Es geht darum, Handlungsbedarf (Investitionen, Technologie) zu identifizieren, um auf hybride Bedrohungen, Cyberangriffe und geopolitische Instabilität reagieren zu können.
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​​​​​​​Kurz gesagt: Es geht darum, Österreich auf eine unsichere Zukunft vorzubereiten, indem alle Bereiche der Gesellschaft (geistig, zivil, wirtschaftlich, militärisch) zusammenarbeiten, um die Resilienz zu erhöhen.

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"Die Antwort auf 'America First' und andere Nationalismusbestrebungen muss 'Europe Together' sein."

Die Top Risiken 2026

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  • Konfrontation zwischen Russland und der EU: Die Sicherheitslage in Europa bleibt durch den andauernden Ukraine-Konflikt massiv verschärft. Auch eine Konfrontation zwischen Russland und der NATO oder eine mögliche Ausweitung des Krieges in der Ukraine ist weiterhin möglich. Die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine längst nicht auf Europas geografischen Raum beschränkt, sondern haben sich zunehmend internationalisiert. Europa muss seine militärische Handlungsfähigkeit und Resilienz weiter verbessern.
  • Unilaterales Agieren der USA: Donald Trump hat in seiner zweiten Amtszeit klar gemacht, dass er seine Politik des „America First“ bedingungslos fortsetzen wird. Diese Entwicklung zwingt Europa, bisherige transatlantische Gewissheiten zu hinterfragen, da die Vereinigten Staaten ihre Beziehungen nun verstärkt nach dem Prinzip „Friede durch Stärke“ und primär nach eigenen Interessen neu ordnen. Die Antwort auf „America First“ und andere Nationalismusbestrebungen muss „Europe Together“ sein - strategische Autonomie und militärische Handlungsfähigkeit sind für Europa ein MUSS, um seine Sicherheit selbst gewährleisten zu können.
  • Migrationsströme nach Österreich: Die Brisanz der Sicherheitslage in Europas Umfeld – insbesondere im Nahen und Mittleren Osten sowie aufgrund der Bürgerkriege beidseits des Roten Meeres – wird weiterhin Migrationsströme nach Österreich mit sich bringen. Migrationsbewegungen werden auch als Teil hybrider Szenarien gezielt eingesetzt. Es ist für Österreich essenziell, sich 1) für gemeinsame Lösungen im Migrationsmanagement der EU einzusetzen und 2) in diesen Krisenregionen an Stabilisierungsmissionen mitzuwirken. Österreich muss danach trachten die Risiken zu bekämpfen bevor sie in der EU, in Österreich wirksam werden.
  • Schwächung der europäischen Integration: Ein wesentliches Risiko für unser gemeinsames europäisches Projekt ist der gezielte Versuch, die europäische Integration zu schwächen, um Europa im Wettstreit der Großmächte USA, China und Russland aufzureiben und auszuspielen. Ohne Abwehr feindlicher Einflussnahmen und Geschlossenheit im Verbund der europäischen Partner droht das „Recht des Stärkeren“ die Oberhand zu gewinnen, was die europäische Integration als Friedensprojekt nachhaltig gefährden kann.
  • Kognitive Kriegsführung: Unter Kognitiver Kriegsführung werden synchronisierte und systematische Aktivitäten verstanden, die darauf abzielen, über die Beeinflussung und Manipulation des menschlichen Bewusstseins die Wahrnehmung, Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit von Individuen, Gruppen, Institutionen oder Bevölkerungen zu beeinflussen. Ziel feindlicher Akteure ist es, den Gegner zu schwächen, ohne offene Kampfhandlungen zu führen – ein typisches Merkmal hybrider Angriffsszenarien. Es geht darum, Vertrauen zu zerstören und damit die Demokratie in ihrem Kern zu treffen. Die Stärkung der Geistigen Landesverteidigung trägt zur Resilienz gegenüber kognitiven Einflüssen bei.
  • Wirtschaftlicher Protektionismus: Protektionismus und die Nutzung von Abhängigkeiten als Waffe gefährden Europas industrielle Basis und steigern das Risiko einer Wirtschaftskrise. In diesem Zusammenhang ist auch das Risiko der De-Industrialisierung Europas zu sehen. Österreich ist aufgerufen, sich für kooperative und faire Handelsmodelle einzusetzen. In diesem Sinne ist auch die kürzlich erfolgte Zustimmung der EU-Mitgliedsstaaten zum Freihandelsabkommen MERCOSUR positiv hervorzuheben.
  • Cyber-Angriffe: Cyber-Angriffe sind Teil einer hybriden Kriegsführung, die gezielt Schwächen der europäischen Resilienz ausnutzt und oft nur schwer zuzuordnen ist. Diese malignen Aktivitäten im Informationsraum erfordern neue Ansätze zur Stärkung der gesamtstaatlichen Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit.

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